DoomsayClockMini Beworben und gewonnen!

Es geht mal wieder um die Kultur des Protestes, zu dem ja auch 5vor12.nrw gehört. In einer Demokratie muss man alle 4 Jahre zur Wahlurne und abstimmen. Aber: es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, sich in der Zeit dazwischen bemerkbar zu machen. Die Protest-Szene ist vielfältig aufgestellt – viele sammeln Spenden. Manche nicht. Bei 5vor12 kann man nur eines spenden: seine Lebenszeit!

Aber: auch 5vor12 muss unter die Leute, muss bekannt werden um das Thema genügend wach zu halten. Im Moment ist weniger los, keine neuen Risse, keine neuen Erkenntnisse, keine neuen Aktionen (außer am 9.6.: Lingen-DEMO!). Das Bewusstsein für den politischen Willen „schläft“ wieder etwas ein und der Alltag drängt sich ins Leben. Für Gedanken zum Großen Ganzen: keine Zeit! Genau DIESE Einstellung spielt den Betreibern der AKWs in die Karten! Würden jede Woche tausende Menschen überall in Aachen regelmäßig gegen Tihange auf der Straße stehen, dann wäre das ein deutlicher Auftrag an die Politik, zu handeln! So geht Demokratie! Ohne Druck von den Menschen bewegt sich gar nichts!

Um die Aktion und das Thema von „5vor12“ bekannter werden zu lassen wurde eine Bewerbung bei einem Award – dotiert mit 17500 € gestartet (ein Widerspruch in sich, oder hat sich da etwas geändert in den letzten Jahren?). Egal, Klappern gehört zum Handwerk. Smart Hero – so der Titel.
Zunächst wurde am 15.3. eine formlose Bewerbung per Email gemacht auf die wenig später eine Bestätigung folgte. Aber dann wurde klar, dass man einen Fragebogen online ausfüllen sollte, was dann spaßeshalber mit großem Zeitaufwand umgesetzt wurde und abgeschickt wurde. Darauf kam KEINE Antwort. Sehr merkwürdig. Technik? Aber die „Stiftung Digitale Chancen“ sollte das können. Also eher nicht Technik.

Was oder wen sucht der Preis?

Der Smart Hero Award feiert Jubiläum. Bereits zum fünften Mal suchen die Stiftung Digitale Chancen und Facebook smarte Heldinnen und Helden. Das sind Menschen und Organisationen, die ihr ehrenamtliches und soziales Engagement erfolgreich in und mit Social Media umsetzen. Smart steht dabei für den klugen Einsatz von Social Media für Anerkennung, Respekt und Toleranz.
In diesem Jahr steht der Smart Hero Award unter dem Schwerpunktthema „Gemeinschaft stärken“ und wird in vier Kategorien vergeben. Im Jubiläumsjahr wird das Preisgeld für den Award um ein Vielfaches auf 17.500 Euro pro Kategorie erhöht. Davon entfallen 10.000 Euro auf den ersten Platz, 5.000 Euro auf den zweiten und 2.500 Euro auf den dritten Platz. Darüber hinaus wird ein mit 5.000 Euro dotierter Publikumspreis vergeben. Erstmals sind anlässlich des Jubiläums ausdrücklich auch Initiativen und Projekte zur Teilnahme aufgefordert, die mit ihren Social-Media-Aktivitäten erst begonnen haben. Besonders vielversprechende Projekte erhalten durch ihre Teilnahme die Chance auf ein Coaching.

ok, es war einer dieser gesponserten Links bei Facebook, denen man besser nicht folgt. Doch Mitmachen kann ja andererseits erst einmal nicht schaden. Wenn es der Sache dient und „Stopp Tihange – Energiegewinnung geht anders!“ weiter hilft – wunderbar! Schließlich gibt es nichts zu verbergen.
Das Schwerpunktthema „Gemeinschaft stärken“ wurde bei der online-Bewerbung nicht wirklich diskutiert. Bei den vier Kategorien passte „lebendige Demokratie“ ganz gut.
Die ersten Fragen nach Zielrichtung und den Vorsätzen waren zu erwarten und konnten sehr klar beantwortet werden. Welchen „Erfolg“ man sich wünscht – war schon schwieriger. Erfolg ist: Weg mit Tihange. Fernziel: Weg mit Atomenergie! Wir brauchen regenerative Energiegewinnung! Aber die Frage bleibt: was ist wirklich des Volkes Wille?

Doch dann wurden die Fragen immer mehr zu „Check-Fragen“ und die Beantwortung wurde immer absurder!

(aus dem Gedächtnis):

Wie finanziert sich das Projekt? (ehm… gar nicht?!? Projekt = Idee = Projekt)
Wieviel Spenden werden gesammelt? (Wieso Spenden? Ehrenamt und Spenden?)
Welche anderen Einnahmen gibt es (Förderungen usw)? (Wieso Einnahmen?)
Wieviel kommt via Werbeeinnahmen zB Adsense oder andere Portale rein? (huch, nichts natürlich)
Wieviele Personen sind angestellt? (huch, Smart Heros sind doch ehrenamtlich tätig, oder nicht? Antwort: Niemand)
Wieviele Leute kümmern sich um die digitale Vermarktung? (hmmm, volle Verwirrung)
Wieviel wird ausgegeben für:
Werbung, Grafik, Internetauftritt, Flyer, Merchandiseartikel, Bürokosten usw
Wieviel Werbung bei Facebook, Instagramm usw wird geschaltet? (Werbung? Wofür?)
….

So gefühlte 40 Fragen kamen in diese Richtung, was mich veranlasste, den Betreiber der Veranstaltung zu recherchieren. Ich bin sicher: Schirmherrschaft war anfangs das Ministerium für Energiegewinnung und Wirtschaft (oder so ähnlich). Daher machte ich dann doch weiter. Voll mein Thema!

Aber das Gefühl war durchaus merkwürdig. Wer will das alles wissen? Worum geht es EIGENTLICH? Es erschien wie eine riesige Datenabfrage.

Letzten Samstag  kam dann die Absage: 5vor12 ist NICHT dabei! Puh, Glück gehabt. Es wäre entsetzlich unter den Nominierungen zu sein! Denn dann wären alle Richtlienien von 5vor12 gesprengt:
1. keine Geldflüsse
2. ausschließlich eine Plattform für den politischen Willen der Menschen bereit stellen!
3. Keine Parteien

Entweder die Idee funzt oder sie stirbt! Geldflüsse erpressen nur. Und – btw: was ist mit der Versteuerung dieser „Einnahmen“?
Auch für ein Coaching wurde die Aktion 5vor12 nicht ausgewählt. Da fällt mir ein Stein vom Herzen. Wenn die Idee gut ist, dann finden sich genügend Leute, die sich gegen Tihange einsetzen und ihre Meinung öffentlich zeigen. Wenn nicht, dann eben nicht!

Aber: gute Projekte sind durchaus bei den Nominierungen, zB die #ichbinhier Leute, die wirklich eine tolle Idee umsetzen. Jetzt muss gevotet werden. Auch da weiß man, wie so etwas geht: es gewinnt nicht die Idee, sondern diejenigen, die viele Leute mobilisieren können und wollen. Nichts für diese Aktion „5vor12“! Der Beitrag zur Demokratie bleibt ehrenamtlich.

Also, schaut selbst und bildet Euch ein eigenes Urteil:
Smart Hero Award: die Nominierungen

Was daran erschreckend ist: wie auf diese Weise die Daten von politisch und gesellschaftlich agierenden Organisationen gesammelt werden können. So kann man diese „Organisationen“ frühzeitig erkennen und „mit ins Boot“ holen!

Es sind – das muss man sagen – sehr löbliche Projekte dabei. Das ist klasse und jede dieser Organisationen verdient es sicherlich, einen Fokus zu erhalten und bekannter zu werden. So hat die Sache durchaus einen Vorteil: tatsächlich erkennt man, dass es viele Menschen gibt, die sich engagieren und es gibt Plattformen, die solche Leute sammeln. Einige Projekte bekämpfen Hass-Kommentare und Rechtspopulismus. Während #ichbinhier keine politische Richtung vertritt gibt es durchaus andere Organisationen, die eindeutig gegen Rechts aufgestellt sind. Ob DAS jetzt so wirklich richtig ist, kann man durchaus divergent diskutieren.

Dis Schirmherrschaft ist jetzt bei Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung. Passt natürlich besser. Da sind die Marketing-Daten hoffentlich gut aufgehoben.

Es bleibt die Frage: wie kann eine politische Idee, die von der Mehrheit der Bevölkerung gewollt ist (siehe Kasten) wachsen, gezeigt werden und die Politik gezwungen werden, dies umzusetzen. Braucht man dazu eine Marketing-Maschine? Geld? Oder eher viele Leute, die ihren politischen Willen deutlich zeigen mit den Mitteln, die die Demokratie als zusätzliche Instrumente vorgesehen hat: Demonstrationen!

Mehrheit der Bevölkerung für den Automausstieg
Artikel: Das Bundeskabinett verabschiedet Entwurf für eine Änderung des Atomgesetzes. 24.5.2018 HEISE
Eine von Emnid durchgeführte Meinungsumfrage, die die Berliner tageszeitung zitiert, zeigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Auffassung der Kritiker teilen könnte. Demnach befürwortet eine Mehrheit der Bürger einen vorzeitigen Ausstieg.
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