DoomsayClockMini Es wird gruselig…

Waum jetzt auf einmal einen Fokus auf den Hambacher Forst werfen? Geht es hier nicht um Atomkraft? NEIN! Es geht natürlich auch darum, dass Energie aus erneuerbaren Quellen produziert wird! Also: Kohle geht gar nicht!! Daher heute: Hambacher Forst. Er steht auf der Abschussliste und soll auch ein Zeichen setzen. Ein Zeichen für den Widerstand aber auch für RWE, einen Sieg zugunsten eigener Interessen.
Fachleute bescheinigen: wir brauchen keine Kohle mehr. RWE feiert am 8.9.2018
„40 Jahre Braunkohleförderung“! Grund zu feiern?

Es gibt Widerstand: https://hambacherforst.org/ und viele Infos auf dieser Seite, tagesaktuell. Denn: der letzte Monat des Waldes ist nun angebrochen. Die Lage ist ernst und hoffnungslos. Obwohl….?!?!

INFO 1: solange der BUND klagt, darf eigentlich nicht gerodet werden!
INFO 2: In Berlin wird gerade diskutiert, wie es mit der Kohle weiter gehen soll… warum dann Tatsachen schaffen?
INFO 3: Das „Argument“ der „sicheren Abbruchkante“, dem der Wald nun zum Opfer fallen soll: stimmt diese Behauptung von RWE eigentlich oder woher kommt diese Argumentation?

Gestern war also wieder Waldführung mit dem Waldpädagogen Michale Zobel, Eva Töller, Helge Hommes mit Saxana u.v.m Insgesamt waren gezählte 481 Personen vor Ort. Die Lage war friedlich, die Polizei schaute in Taschen und Kofferräumen nach und die befürchteten Feststellungen der Personalien blieben komplett aus. In der Nacht vorher gab es einen Brand, bei dem weder die Ursache noch die Täter nicht festgestellt werden konnten. Sehr merkwürdig bei der hohen Polizeipräsens ringsherum.

Der Künstler Helge Hommes malt Bilder vor Ort. Im Vorfeld wurde allerdings sein Material beschlagnahmt, da aus den Keilrahmen Waffen (Speere und Lanzen) hergestellt werden könten. Nur: das hatte Helge gar nicht vor. Seine Waldprojekte sind international und sehr bekannt. Es geht darum, ob Künstler*innen ein Malverbot erteilt werden darf.  Die Aktion der Rückführung der Malutensilien in den Wald verlief Dank der Masse der friedlichen Leute: friedlich!

Hier einige Eindrücke:

 

Die Aktion hier bei Vimeo:

 

Helge Hommes erinnert daran, welche „Bilder“ wir im Kopf haben und mit Aktionen schaffen! Da zeichnet die Presse natürlich mit dickem Pinsel kräftig mit! Ein Beispiel vom 2.9.2018 in der Mediathek – es werden Arbeitsplätze abgewogen gegen Waldzerstörung. Der scheinbar objektive Bericht in Form von „PRO (für den Wald) und „contra“ (Wald muss weg) mit vielen Stimmen aus der betroffenen Bevölkerung sowie Umweltschützer endet mit dieser Schlußfarbe (die den Leuten natürlich in Erinnerung bleibt):

„contra“:

Keine Frage, die Braunkohle hat auf Dauer keine Zukunft doch nur bei einem langsamen Ausstieg bleibt Zeit, neue Arbeitsplätze anzusiedeln. Kahlschlag bei Jobs und Einkommen – das hieße: eine ganze Region würde veröden.
Also besser Sinkflug statt Sturzflug!

Zum Video:
https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westpol/video-braunkohle–aussteigen-oder-drinbleiben-100.html

Also WAS für Bilder werden in der Öffentlichkeit gemalt?
Bild 1: Der Wald muss weg, Arbeitsplätze sind wichtiger
Bild 2: Das Waldgebiet ist „gefährlich“ – daher großes Polizeiaufgebot, Kontrollen
Bild 3: Der Wald darf nicht mehr betreten werden (stimmt nicht, denn der Wald darf ganz normal betreten werden)
Bild 4: die Waldbewohner sind Terroristen und haben Waffen (huch?)
Bild 5: Zur Sicherung des Gebietes müssen Polizeieinheiten Schneisen und Hubschrauberlandeplätze in den Wald geschlagen werden (war die Abholzung nicht Sache der Firma RWE?)

Die Frage ist erlaubt: ist der Wald noch zu retten? Was passiert da gerade?

Und: wir brauchen neue Bilder im Kopf:
singende, friedliche Menschen, die im Wald spazieren ohne terroristische Hintergründe! Wer macht mit?

 

 

Einige Gedanken zum Thema von Dr. Wolfgang Becker, Aachen, in öffentlichen Medien:

Zum Hambacher Forst 1.9.2018
Es erscheint mir wichtig, dass alle, die um den Hambacher Forst ringen, sich ernst nehmen – und nicht spaßen, nörgeln, sich unterhalten….. Sie sind Wähler in einer parlamentarischen Demokratie, und jeder Politiker, der heute für oder gegen den Hambacher Forst entscheidet, braucht ihre Stimme. Es versteht sich, dass alle für die Erhaltung des Waldes sind. Wer könnte heute gegen die Erhaltung eines gesunden, schönen, alten Waldes sein? Sicher sind auch viele der Polizisten, die den Wald umkreisen, für seine Erhaltung. Niemand hat sie aufgefordert, dagegen zu sein. Ihre Aufgabe ist, Ordnung zu erhalten, dagegen verteidigen die Waldbesetzer ihre Freiheit. Freiheit und Ordnung sind als abstrakte Werte nicht vereinbar, gehen aber im Leben aller Gesellschaften unauflösliche Ehen ein – auch in den Wäldern. Der, dessen Freiheit bedroht ist, bittet den Ordnungshüter um Hilfe. Ordnungshüter suchen in den Wäldern nach Verletzern der Ordnung oder Gesetzlosen, die sich in ihnen verbergen.
Nicht die Ordnungshüter sind Feinde des Waldes, sondern die, die ihn beseitigen wollen, die mächtigen Industriekonzerne wie RWE. Aber RWE verfügt nicht über die Ordnungshüter, sondern das Polizeipräsidium in Köln, eine Institution des Staates. Gegen RWE hat der Staat das letzte Wort. Alle, die den Wald erhalten wollen, müssen also den Staat und seine Organe, die Ordnungskräfte, die Mitarbeiter der Polizei gewinnen, auch wenn es ihnen schwerfällt. Sie müssen begreifen, dass die „Scheiß-Bullen“ in ihren Auseinandersetzungen mit ihnen ebenso aus Angst überreagieren wie sie selbst.
ES GEHT UM DEN WALD!
Der Wald kann keine GEFAHRENZONE sein, wenn nicht seine Bewohner die Besucher des Waldes gefährden. Beide, die Bewohner und ihre Besucher, müssen nun beweisen, dass es nicht gefährlich ist, sich in diesem Wald aufzuhalten.

24.8.2018
Zum Hambacher Forst
Bemerkungen eines Unpolitischen

Meine Zeitung zitiert 3 Experten, die das Ende des Tagebaus von der Einebnung seinerr Abbruchkanten abhängig machen. Die Herstellung von etlichen 100 m breiten Böschungen wäre zeit- und arbeitsaufwendig. Und? Wäre das ein Grund, auf die Vernichtung des Forstes zu verzichten? Wie lang ist seine Abbruchkante? Und würde eine weiter wachsende Abbruchkante das Problem nicht vergrößern? Auch den Experten ist ein Spaziergang dringend empfohlen.
Die Feindschaft zwischen den Bewohnern des Hambacher Forstes und den sie umgebenden Ordnungskräften eskaliert. In diesen Tagen sollte die Landesregierung eine Gruppe von honorierten oder ehrenamtlichen „Friedensrichtern“ beauftragen, die beiden Gruppen die Regeln friedlicher Verständigung deutlich macht. Der Polizei ist gedient, wenn ihr Ruf („brutale Bullen“) korrigiert wird, den Wandbesetzern ist gedient, wenn sie einsehen, dass sie die Rettung des Waldes verhindern, wenn sie ihn mit der Gewalt ihrer primitiven Waffen verteidigen.
Der Erhalt dieses Waldstücks ist für die Rettung der Erde aus ihrer Klimakatastrophe sicher unerheblich. Aber er hat Symbolkraft in einer Gemengelage der Meinungen, in der der Gewinn seiner kleinen Grundfläche für den Erhalt des rheinischen Tagebaus ebenso unerheblich erscheint. Wer solche positiv besetzten Symbole zerstört, erwirbt das Feindbild dessen, der die Apokalypse vorantreibt. Im Alltag der parlamentarischen Demokratie heißt das: man wird ihn nicht mehr wählen.

 

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