DoomsayClockMini Deutsche Bundesregierung hält Tihange-Reaktoren jetzt für sicher

Man kann es kaum glauben: die deutsche Bundesregierung hält die Bröckelmeiler auf einmal für „sicher“. Das ist so etwas wie ein Supergau der Meinungswende. Die Betreiber jubeln. Auch die Betreiber ähnlicher Anlagen springen auf den Zug auf. Wie es dazu kommen konnte? Es gab einmal ein Gutachten. Dieses Gutachten wird von verschiedenen Seiten sehr verschieden interpretiert.

(503. Sitzung der Reaktor Sicherheitskommission (RSK) am
23.05.2018)
Auf Städteregion-Aachen.de kann man Folgendes nachlesen:

Pressemitteilung 226: Augenwischerei der RSK: Plausibilitätsprüfung ist KEIN Sicherheitsnachweis von Tihange 2!

Reaktorsicherheitskommission sagt selbst: Angewandte Rechenmethoden sind nicht ausreichend abgesichert!

 

StädteRegion Aachen. In einer aktuellen Stellungnahme stellt die Reaktorsicherheitskommission (RSK) fest, dass die meisten bislang offen gebliebenen Fragen zur Sicherheit der Kernkraftwerke Tihange 2 und Doel 3 geklärt seien. Noch nicht hinreichend abgesichert sei jedoch der Nachweis über die Eignung der Rechenmethoden zur Berechnung der Rissfelder – hierzu heißt es: „Es verbleibt jedoch die Frage bezüglich einer ausreichenden experimentellen Absicherung der Berechnungsmethoden für Rissfelder“. Diese ist jedoch eine wesentliche Voraussetzung für den Sicherheitsnachweis. Die Prüfungen und Bewertungen der RSK beziehen sich zudem nur auf Unterlagen der belgischen Atomaufsicht und des Betreibers. Demnach scheint plausibel nachgewiesen, dass die Risse schon bei der Herstellung des Reaktors vorhanden waren. „Dann hätte die Anlage erst gar nicht in Betrieb genommen werden dürfen!“, so das eindeutige Fazit des Aachener Städteregionsrates Helmut Etschenberg. „Das ist kein Nachweis der Sicherheit, das ist Augenwischerei. Man muss das Gutachten nur aufmerksam lesen! Der weitere Betrieb der Anlage ist auch weiterhin nicht zu verantworten!“, erklärt Etschenberg fassungslos.

Im Bericht der RSK steht wortwörtlich: „Zur Validierung des Berechnungsmodelles wurden von der belgischen Seite unterschiedliche Versuche durchgeführt bzw. veranlasst. Diese Versuche zeigen nach Auffassung der RSK lediglich die Übereinstimmung von Berechnung und Versuch (…), nicht aber die Konservativität der Methode. Aus Sicht der RSK deckt die Validierung nicht alle Beanspruchungszustände – insbesondere nicht die zu unterstellenden mehrachsigen Belastungen – und die komplexe Wechselwirkung zwischen benachbarten Rissen in einem Rissfeld ab. Zudem wurde nur eine geringe Zahl von Versuchen (…) durchgeführt.“ „Damit“, so Etschenberg, „bleiben die wesentlichen Materialfragen offen!“

In ihrer Stellungnahme bestätigt die RSK darüber hinaus, dass bis dato wesentliche Fragen der Sicherheit offen geblieben waren und offenbar erst jetzt nach Ansicht der Kommission aufgrund weiterer Nachweise der belgischen Seite geklärt werden konnten. Damit wird die Forderung der Bundesregierung, der StädteRegion Aachen sowie der internationalen unabhängigen Expertenvereinigung INRAG nach Stilllegung von Tihange 2 und Doel 3 bis zur Klärung der offenen Fragen im Nachhinein bekräftigt. „Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie auch die Analyseergebnisse der internationalen Expertengruppe (INRAG) in ihre Bewertung der Situation einbezieht!“, so Etschenberg. „Wir werden daher nicht nachlassen, die möglichen juristischen Schritte zu gehen, um die nach wie vor großen Sorgen der Bevölkerung vor den Gefahren von Tihange 2 ernst zu nehmen. Die Zulässigkeit der Brennelemente-Lieferung aus NRW werden wir rechtlich prüfen!“

Unabhängig davon gibt es eine Reihe weiterer offener Fragen, die von der RSK nicht beantwortet wurden. Dazu gehört auch die Frage, warum die Risse nicht bereits bei der Herstellung entdeckt worden sind, obwohl sie hätten entdeckt werden können und müssen. Es bleibt damit auch weiterhin der dringende Verdacht bestehen, dass es bei der Genehmigung der Anlagen zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist, die das gesamte Genehmigungsverfahren in Frage stellen. „Ohne den weiteren Druck aus der Bevölkerung, aus den Bundesländern und Regionen sowie die Unterstützung durch die unabhängigen Experten besteht weiterhin die Gefahr, dass die Risiken der beiden Kernkraftwerke unter den Tisch gekehrt werden“, ist Etschenberg überzeugt. „Ich wäre glücklich, wenn ein eindeutiger Nachweis der Sicherheit von Tihange geführt würde. Diesen bringt allerdings auch das Gutachten der RSK nicht!“, so der Städteregionsrat abschließend.

Die vollständige RSK-Stellungnahme (503. Sitzung der Reaktor-Sicherheitskommission am 23.05.2018) findet man im Internet unter:

http://www.rskonline.de/sites/default/files/reports/epanlagersk503hp.pdf

Mit freundlichen Grüßen
Detlef Funken

Die Sendung von monitor:

Belgische Risiko-Reaktoren: Die erstaunliche Kehrtwende der Bundesregierung

15.11.2018 | 6 Min. | Verfügbar bis 30.12.2099 | Quelle: ARD

Seit Jahren bestimmen die belgischen Atomreaktoren Tihange 2 und Doel 3 aufgrund zahlreicher Sicherheitsprobleme die Schlagzeilen. Die Menschen in den Grenzregionen leben in dauernder Sorge vor einem Atomunfall. Die Bundesregierung forderte lange ihre Abschaltung. Doch jetzt sieht sie in den beiden Reaktoren plötzlich kein besonderes Sicherheitsrisiko mehr – und bezieht sich dabei auf ein Gutachten, das eine solche Aussage gar nicht hergibt. Zahlreiche internationale Atomexperten warnen jetzt: Die Bundesregierung habe grundlegende Sicherheitsprinzipien aufgegeben.

DoomsayClockMini Dies und das am Stier

Die Themen waren heute sehr verschieden: mit Lina, 6 Jahre wurde im Vorfeld diskutiert, wo denn der Strom her kommt: „aus der Steckdose“. Aha. Und wie kommt der Strom in die Steckdose? Hmmm. Bernd klärte wieder über die Aktion von ausgestrahlt.de auf: zB Unterschrift gegen „Netzverstopfer„, Stromanbeiter wechseln, und er verteilte Karten der Deutschen Friedensgesellschaft: Trump will den INF-Vertrag (grob: nukleare Abrüsting) aufkündigen (MEHR). Dann gab Robert noch eine kleine Nachlese zur Veranstaltung vom Freitag, Micha wies auf die 100 qm größer gewordene Schlittschuhbahn hin – mit angrenzenden Wärmestuben, natürlich alles mit großem Stromaufwand betrieben. Nein nein, niemand will den Kindern die Schlittschuhbahn weg nehmen. Aber sie zeigt, wie unsere Gesellschaft sehr sorglos mit den Ressourcen umgeht. Nun ja, leben und leben lassen. Aber fragen kann man ja mal, wo der Strom für die Eisbahn her kommt (und wer das bezahlt…?). Ich finde es gut, wenn Leute Dinge entscheiden zu tun und andere dann mal nachhaken, ob das wirklich jetzt so alles richtig ist! Dann entsteht eben manchmal vorrübergehend ein Streit, aber das legt sich dann auch wieder. Eine Demokratie braucht streitbare Geister! Danke an alle Mitstreiter*innen!

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